Ausgabe 7 / 2009


Kolumne - Marianne Binder

Verbindlich

Beim Stöbern im Parlamentsarchiv finde ich ein Postulat aus dem Jahr 1988, das den Bundesrat zu prüfen ersucht, ob das von Überbauung bedrohte Schlachtfeld von Marignano zu erwerben sei. Finanziert werden solle es mit einem Teil des Prägegewinns für die Sondermünzen, welche die Eidgenossenschaft zur 700-Jahrfeier ausgebe. Dieser sei vorgesehen für kulturelle Werke mit lange dauernder Wirkung. Der Nationalrat  nahm das Postulat an. Doch die Tatsache, dass das Grundstück nach wie vor Italien gehört, hat noch nie jemanden gestört. Wir haben Marignano längst annektiert in einer geistigen Landnahme. Respekt für die Grenzen gehört zu unserer Kultur, wofür die Sprache ein Hinweis ist. Seit 1515 hat sich das Schweizerdeutsche wenig verändert, so dass es abgesehen von uns selbst niemand versteht. Wieso auch? Wenn man sich schon vornimmt, die Leute nicht mehr zu verhauen, braucht man mit ihnen auch nicht mehr zu reden. Kommunikation mit dem Ausland liegt uns nicht, wenigstens nicht in der Politik. Da müssen wir uns verbessern. Die Fremdsprachen zumindest haben wir gelernt. Sie nutzbringend anzuwenden, legen die Ereignisse der letzten Zeit wohl nahe. Aus den Gebärden der Aussenministerin, welche bei Konflikten einseitig Schuld zu wedelt, wird jedenfalls kaum jemand schlau, und aus guten Diensten werden zunehmend schlechte, parteiische. Sich nicht in fremde Händel einzumischen war 1515 ein Vorsatz, der weltweit beispielhaft ist. Er schliesst eine gute Vernetzung nicht aus, im Gegenteil, bedingt sie erst. Zumindest fügt man mit dieser Haltung niemandem Schaden zu. Ein guter Grund für einen selbstbewussten, aber kompetenteren Auftritt.


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27-Jan-2010, 07:27 PM
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