Ausgabe 6 / 2010


Kolumne - Marianne Binder

Verbindlich

Ich bin eine Anhängerin des biologischen Gärtnerns und ökologischen Ackerbaus. Wer Boden kultiviert, soll ihn nicht gleichzeitig verseuchen. Diese Haltung bedingt Toleranz gegenüber Schädlingen. Doch manchmal kann ich mich der Auseinandersetzung nicht entziehen und bekämpfe beispielsweise den Dickmaulrüssler.

Der Dickmaulrüssler ist ein Käfer, der den Kirschlorbeer und die Rhododendren befällt. In deren Blattränder fräst er Löcher als verrichtete er Laubsägearbeiten. Seine Larven schlummern im Boden, oft in Blumentöpfen. Sie gleichen Engerlingen und haben einen schwarzen Kopf. Die Bekämpfung des Dickmaulrüsslers basiert auf der Überlegung, seinen Larven einen natürlichen Feind zuzuführen. Die Bioarmee kauft man in der Gärtnerei. Ihre Soldaten werden Nematoden genannt und befinden sich in einem Plastiksack. Man füllt einen Eimer mit zehn Litern Wasser, schüttet den Inhalt hinein und rührt das Ganze um. Das weckt die Kämpfer auf. Es sind kleine Fadenwürmer in der Länge von sieben Millimetern, fertig ausgebildet und einsatzfreudig. Dann teilt man sie auf in Bataillone. Immer zwei Liter Armee werden verdünnt mit acht Litern Wasser in die Spritzkanne geleert und unter den Büschen ausgegossen. Die Ökomilizler verschwinden in der Erde und richten dort während Tagen ein Massaker an. Die Opfer im Dickmaulrüsslerlarvenzustand sind wehrlos. Und kein Ton dringt an die Oberfläche.

Man ist in der biologischen Gartenarbeit physisch schon sehr gefordert, aber was die biologisch-militärische betrifft, geht es auch an die Nerven…


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05-Jul-2010, 05:57 PM
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