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Artikel - Jozsef Kisdaroczi, Dipl. Architekt ETH SIA
Seelenwelten
Die Türe wird von einer Feder zugezogen. Sie soll nicht offen bleiben. Vom Forstweg aus, entlang eines hohen Lattenzaunes aus dem winterlichen Wald kommend, hat man den unscheinbaren Eingang durchschritten. Das Knirschen von feinem Kies unter dem Schuhwerk durchbricht die Stille. Der geschwungene Weg ist mit Steinbändern gesäumt, das Herbstlaub eingesammelt und die Wege mit dem Rechen gepflegt. Zwischen den Bäumen ist der Waldfriedhof zu erkennen. Silhouetten von Gebäuden und Mauern durchbrechen die vertikale Ordnung von Tannen und Buchenstämmen.
Und plötzlich ist da offener Himmel. Die grosse rechteckige Lichtung, aus dem Waldkörper gechnitten, ist einer von drei Urnenhainen, welche die stille Friedhofsanlage bestimmen. Geometrische Strenge, dialektisch der Natürlichkeit des Waldes entgegengestellt, bestimmt die Gestaltung der beinahe hundertjährigen Grabreihen. Es ist die Asche von Verstobenen, die hier in Urnen bestattet wurde. Der mächtige Engel auf der Säule wacht über ihren Seelenfrieden.
Wieder im Wald nähern wir uns einem Gebäude aus Beton, Glas und Eisen. Im Spiegel der grossen Scheiben zeigen sich die Baumwipfel. Der Kiesweg führt vorbei und lenkt den Blick in die aufgeräumte helle Halle. Zwei Türen in der Stahlfront und der bereitgestellte Sargwagen verweisen zu rückhaltend auf die Nutzung des Raumes. Im Ofenraum werden die Körper der Verstorbenen dem Feuer übergeben und eingeäschert. Die Stille des Waldes beruhigt und die wiegenden Baumwipfel relativieren die Zeit.
Der Weg führt in einen Hof. Eingefasst von hohen Betonrahmen öffnet sich der weite Himmel. Der Vorhof des Ofenhauses lässt innehalten. Eingefügt in das Betonskelett sind schwere Stahlplatten mit Schriftzeichen. Mal durchbrochen, mal als Relief fügen sich die ausgestanzten Buchstaben zu Worten. Es ist ein Ort der Besinnung und Sammlung, quadratisch leer, gleichzeitig beseelt und umgeben von hohen Buchen. 


