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Artikel - Erwin Teufel, ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg
Politik aus christlicher Verantwortung
Am 19. November wurde in Baden die Vereinigung 60+ gegründet. Als Hauptreferent eingeladen war Erwin Teufel, ehemaliger Ministerpräsident des Bundeslandes BadenWürttemberg und Mitglied des deutschen Ethikrates. Er sprach zum Thema «Politik aus christlicher Verantwortung». Der ehemalige Stadtamman von Baden Josef Bürge, ehemaliger Aargauer Grossrat und schweizerischer Delegierter im Europarat, veröffentlicht nachfolgend einen Auszug aus seiner Rede.
«Vor der neuen Vereinigung 60+ der CVP Schweiz über ein so schwergewichtiges Thema zu sprechen, ist Herausforderung und Genugtuung zugleich. Wir Deutschen erkennen trotz aller aktueller Diskussionen in der Schweiz auf weiten Strecken klare Ansätze für eine verantwortungsvolle Politik aus christlicher Sicht. Halten Sie von der CVP aus daran fest!
Freiheit und Verantwortung
Was nun sind ihre Elemente? Verantwortung ist seit 150 Jahren der Begriff für die «Pflicht», wie sie Kant definiert hat. Unser Tun und Lassen vor dem Schöpfer, einem Gericht oder den Mit menschen zu verantworten, heisst gleichzeitig den Umgang mit unserer freien Entscheidung ernst und Pflichten wahrzunehmen. Freiheit und Verantwortung gehören unzertrennlich zusammen. Konfliktlösung im Gespräch, Langfristigkeit in Planung und Umsetzung erkannter zukünftiger Bedürfnisse, Konsenswille, das Erreichen tragfähiger Lösungen, Besonnenheit, Gradlinigkeit und Berechenbarkeit sind wichtige Elemente, die Vertrauen schaffen und damit der Gesellschaft aufbauend dienen. Verantwortung auf der Basis stets von neuem zu erarbeitenden Vertrauens ist damit leichter zu tragen; in Familie, Schule, Gruppe, Verein, Gemeinde und Staat. Vertrauen ist die wichtigste Ressource der Politik, nicht zuletzt auch christlicher Politik.
Erziehung und Bildung
Begabungen sind uns in die Wiege gelegt. Erarbeitetes Wissen und Können aber sind starke Stützen verantwortlichen Handelns. Erziehung und Bildung sind tragende Pfeiler christlicher Politik. Arbeitsteilung tut heute Not. Das Spezialistentum ist unabdingbar, wird aber dort zur Gefahr, wo es sich der Gesamtstrategie einer Gemeinschaft bemächtigt, wo Partialinteressen überhandnehmen. Schon Hegel erkannte, dass «die Wahrheit das Ganze» ist. Umfassende Bildung legt die Basis für Wissen, Können und Erfahrung. Sie stärkt Selbstsicherheit und gleichzeitig kritische Reflexion des eigenen, bewussten Handelns.
Rechte des Menschen
Zentraler Wert sind die Rechte des Menschen und der Schöpfung. Sie manifestieren deren Würde und Unantastbarkeit. John F. Kennedy formulierte es klar: «Der Mensch hat seine Rechte nicht aus der Gunst des Staates, sondern unmittelbar aus der Hand Gottes.» Recht auf Leben, Recht auf Bildung, Recht auf Arbeit sind herausragende Werte. Sie helfen mit, die Arbeitsteilung zu tragen, Leistung zu erbringen und zu optimieren, wechselnden Bedürfnissen gerecht zu werden, erfüllt zu leben. Zielorientiertes Handeln ist gefragt, nicht hilflose Floskeln wie «der Weg ist das Ziel».
Sprache und Kommunikation
Ein besonderer Stellenwert kommt Sprache und Kommunikation zu. Einander zu verstehen, weiterzuentwickeln, weiterzuvermitteln ist Voraussetzung für gutes gemeinsames Handeln, trotz oder dank weltanschaulicher Differenzen.
Zukunftsorientiertes und ganzheitliches Denken
Die Nutzung von Erkenntnissen in Wissenschaft und Forschung ist für kommende Generationen lebensnotwendig. Grenzen sind ihr in der Pflege und Bewahrung der Schöpfung gesetzt. Handlungsmaxime ist der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, Nachhaltigkeit pur. Politik aus christlicher Verantwortung bedeutet somit, Gottes Schöpfung in ihrer ganzen Vielfalt zu respektieren, den freien, urteilsfähigen Menschen zu bilden, Gemeinschaftsformung und -entwicklung zu pflegen und durch die demokratische Kontrolle aller Verantwortungstragenden Missbräuche und Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und ihnen kraftvoll zu begegnen.» 


