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Honni soit...
«Bruder Hitler»
«FRATERNITÉ». Man muss das GROSS schreiben, denn: Welch ein Versprechen! Gibt es schönere? Oh Brüderlichkeit, Aufgehobensein, Zusammengehörigkeit. Die deutsche Romantik käme als Quelle in Frage, würde man den Begriff nicht zur Hauptsache mit der französischen Revolution assoziieren.
A propos französische Revolution. Kaum daran gedacht, sind schon erste Zweifel zu unterdrücken. Robespierre wollte die Brüderlichkeit 1790 auf Uniformen und Flaggen schreiben lassen. Robespierre? Waren nicht seine Jakobiner für den «terreur» zuständig? Dieser Terror war natürlich nicht als solcher angekündigt. Das Abschlachten von Menschen hat man ideell unterlegt. Rousseau war zum Paten schlimmster Verbrechen umfunktioniert, die Formel dazu relativ simpel: Gemeinwille = Gemeinwohl = richtig = absolut. Gemeinwille nicht einfach als Wille der Mehrheit, sondern derjenigen, die tugendhaft und im Besitz der Wahrheit sind. Gedacht hat man vor allem im Umkehrschluss. Wer den Gemeinwillen angreift, gehört nicht zur aufgeklärten Gemeinschaft. Demokratiemäntelchen für schlecht verbrämten Totalitarismus.
Vielleicht gehört darum auch zur Brüderlichkeit, eigene Abgründe im Gegenüber gespiegelt zu sehen. Thomas Mann in seinem Pamphlet «Bruder Hitler» (1938): «Es ist eine reichlich peinliche Verwandtschaft. Ich will trotzdem die Augen nicht davor schliessen, denn nochmals: besser, aufrichtiger, heiterer und produktiver als der Hass ist das Sich-wie- der-Erkennen.» Hinter grössten Schandtaten standen grosse Ideen. Man geniesse diese mit Vorsicht. 


