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Kolumne - Marianne Binder
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Um Wähler anzulocken, ist eine simple Botschaft von Nutzen. So zu tun, als ob sie richtig wäre, erfolgreiches Marketing. Ausländer sind Verbrecher, die Abzockerinitiative bekämpft die Abzocker, das Bankgeheimnis ist schlecht, die Klimaerwärmung inexistent, der EU-Beitritt Einzug ins gelobte Land und die Finanzierungsquellen des Sozialstaates sprudeln ebenso unerschöpflich wie die erneuerbaren Energien, man muss nur den Hahn endlich finden.
Als Begründer einer Initiative «Rentenalter 44» würde jemand drei Jahre lang in die Arena eingeladen und den Politbetrieb füttern, nicht, weil seine Idee dem Land von Nutzen ist, sondern weil es ihm und den Medien von Nutzen ist, einen derartigen Unsinn zu verbreiten. Er verliert die Abstimmung haushoch, aber unterdessen kennt man ihn und zaubert ihn ins nationale Parlament, wo er weiterhin Forderungen deponiert, die nie eine Mehrheit finden.
Man mag beklagen, dass, wer sich um Lösungen bemüht, das Mittel der Provokation nicht anwenden kann. Wenn man jedoch bedenkt, dass man mit einem Wähleranteil von 16% über 95% aller Abstimmungen für sich entscheidet – im Vergleich zu den politischen Polen, welche je 30% ausmachen und nur je 40% der Abstimmungen gewinnen – darf man nicht nur über die Empfänglichkeit des Volkes für Populisten schimpfen. Man muss vielmehr feststellen, dass der Pragmatismus in diesem Land die Regel ist und diejenigen, die ihm nachleben, in bester schweizerischer Tradition. Vielleicht hilft der Gedanke. Man gewinnt damit leider weniger Wähler, aber man politisiert in ihrem Sinn. 


