
Lesen sie auch:
- Solidarität - Kein Geschenk
- Bruderkrieg und Konkordanz
- Brüderlichkeit oder die Farbe Rot
- Links gegen Rechts - Kinderkrankheiten der Politik
- Grenzen staatlicher Solidarität
- Brüderlichkeit
Kolumnen:
Abo-Bestellung:
DIE POLITIK auf Facebook:
Kolumne - Gerhard Pfister
Missing Link
Vielleicht macht es der Frühling, dass ich unbeschwert eines meiner Lieblingsvorurteile kultiviere, nämlich, dass diejenige Gesellschaft am meisten Nutzen und Wohlstand für alle bringt, die den Einfluss des Staats gering und die individuelle Freiheit und Selbstverantwortung der Menschen möglichst gross hält.
Ein Vorurteil? Wohl schon, wenn man sieht, wie die Idee des big government in Europa Aufschwung hat, wenn der Staat Rettungsaktionen für Banken auf sich nimmt, wenn staatliche Konjunktur(ankündigungs)programme Wahlschlager werden, wenn im «bürgerlichen» Bundesrat krude fiskalistische Fantasien das Bankgeheimnis gefährden.
Trotzdem: wie ein Geisterfahrer hoffe ich, dass die hundert entgegenkommenden Autos kein Beweis sind, dass ich falsch fahre und suche nach Zeichen für die Richtigkeit meiner Überzeugung. Ich finde sie zum Beispiel in Massachussets. Dort fiel ein seit 1953 von Demokraten gehaltener Senatssitz an die Republikaner. In wirtschaftlich äusserst schwierigen Zeiten sieht man die Lösung nicht beim Staat, sondern in freiheitlichen Vorschlägen. Obamas Popularität ist schneller gefallen als die aller Nach- kriegs-Präsidenten ausser Gerald Ford. Erstaunlich.
Auch der Amerikanische Freiheitskrieg begann 1775 mit dem ersten Schuss in Lexington, Massachussets. Europa sollte heute besser als damals hin- schauen, was sich jenseits des Atlantiks tut. Sonst werden die heutigen Regierungen wieder davon überrascht, dass die Idee der Freiheit den staatlichen Machtanspruch zurückdrängen kann. Vorläufig bleibt’s ein Vorurteil, nachzulesen nur im «Economist» - aber immerhin. Es gibt schlechtere Beifahrer. 


