
Marianne Binder - Chefredakteurin
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Editorial - Marianne Binder, Chefredakteurin
Solidarität - Kein Geschenk
Nach geschlagener Abstimmungsschlacht lange zu lamentieren, wenn man verloren hat, zeugt von schlechtem Stil. Trotzdem: Dass man im Wissen um die demographischen Veränderungen der jungen Generation den Rententopf ausnimmt, macht zu schaffen. Ist der Begriff Nachhaltigkeit nicht seit Jahren auf den Hitlisten des Politvokabulars? Sind Sozialversicherungen nicht auf dem Solidaritätsgedanken aufgebaut?
Wer über Brüderlichkeit in der Politik nachdenkt, sollte nicht sentimental werden. Die Mitglieder einer Gesellschaft schätzen nüchtern ab, in welchem Verhältnis der Nutzen, den ihnen die Gemeinschaft bringt, zum Opfer steht, welches sie ihr erbringen müssen. Diese Rechnung erhält die Solidarität am Leben. Freiwillig entsteht sie kaum.
Im Falle der Senkung des Umwandlungssatzes wurde auch gerechnet. Das Resultat ist plausibel. Wen kümmert schon das Jahr 2040? Doch schliesslich haben nicht nur ältere Menschen das Stimmrecht, junge besitzen es auch. Unsere eigene Umfrage während dem Strassenwahlkampf ergab, dass diese zuwenig an die Urne gingen. Wir liegen mit unserer Einschätzung vielleicht genauso daneben, wie das gfs bei der Minarettinitiative. Aber wenn sich diese Stimmabstinenz bewahrheiten sollte, müssten sich junge Menschen sagen lassen, dass der gerechte Anteil am Kuchen leider nicht auf dem Teller serviert wird. Um ihn zu ergattern, gibt es die direkte Demokratie. Deren Instrumente für seine Überzeugungen und Interessen zu nutzen, ist der verantwortungsvolle Beitrag für eine solidarische Gesellschaft.
Mit dieser Nummer zur Brüderlichkeit schliessen wir unsere Trilogie zu den Leitbegriffen der französischen Revolution. Wir danken allen Autorinnen und Autoren für ihre wertvollen Beiträge.
Im April widmen wir uns dem hohen C. 


