Artikel - Jacques Neirynck, Stv. Chefredakteur

Tessiner Töfffahrer und welsche Trinker

Seit geraumer Zeit kennen wir dank diversen Statistiken die Unterschiede zwischen der Deutsch- und der Westschweiz: Die Deutschschweizer sind weniger arbeitslos, sie belasten die Krankenkasse weniger und stimmen rechter. Nicht erwartet werden konnte jedoch, dass sich die beiden Landesteile auch in ihrer Weise Verkehrsmittel zu lenken unterscheiden. Dies hat eine am 19. Januar 2010 publizierte Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung ergeben.

Zwischen 1997 und 2007 hat die Zahl der Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten oder Toten in der Deutschschweiz um 21% abgenommen. In der Westschweiz und dem Tessin betrug der Rückgang in derselben Zeitspanne lediglich 7% bzw. 10%. 2007 ereigneten sich 51% aller Motorradunfälle mit Schwerverletzten im Tessin. Dies sind doppelt so viele wie in der Deutschschweiz und 1.5 Mal so viele wie in der Westschweiz. Im Kanton Tessin trugen 32% aller Schwer- verletzten oder Toten keine Sicherheitsgurte. In der Westschweiz waren 22%, in der Deutschschweiz gerade mal 16% der verunfallten Personen nicht angeschnallt. Alkohol als Unfallursache ist in der lateinischen Schweiz doppelt so häufig wie in der Deutschschweiz. Und weiter: 34% aller Unfälle geschehen in der Westschweiz aufgrund übersetzter Geschwindigkeit. In der Deutschschweiz ist dies bei 21%, im Tessin bei 8% die Unfallursache.

Dies ist noch lange nicht alles. Schwere Verkehrsunfälle, die von Frauen verursacht wurden, sind in allen drei Landesteilen pro 100 Millionen gefahrenen Kilometern gleich häufig. Männer hingegen sind drei Mal häufiger in schwere Verkehrsunfälle verwickelt als Frauen. Als Ergebnis dieser Studie über das männliche Geschlecht, dessen Verhalten der Auslöser für Verkehrsunfälle ist, können wir fest- halten: Männer saufen mehr als Frauen und rasen am schnellsten in der Romandie. Alles somit eine Frage der Kultur und unabhängig von Gesetzen, dem Strassenzustand oder den Automarken, die ja sowie- so in der ganzen Schweiz identisch sind und sich für Männer und Frauen gleichermassen eignen. Fazit: Es bringt nichts, Gesetze zu verschärfen. Es ist auch absolut sinnlos, weitere Gesetze einzuführen, wenn nicht einmal die bestehenden eingehalten werden. Viel eher müssen wir Gewohnheiten ändern und das ist bei weitem viel
anspruchsvoller.


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http://www.die-politik.ch/de/archiv/ausgabe-2-2010/artikel/86_tessiner-toefffahrer-und-welsche-trinker/
18-May-2010, 07:20 PM
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