Marianne Binder - Chefredakteurin

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Editorial - Marianne Binder, Chefredakteurin

An meiner Schule waren alle Kleider gleich

Oben ein enger Pulli und unten enge Jeans. Es gab nur eine Figur, und die war dünn und nur eine Haarlänge, und die war lang. Wer nicht in die genormten Hosen passte, kaufte sie zwei Nummern zu klein oder verzichtete auf Nahrung.

Anders hielt es meine Freundin. Sie setzte selbst die Trends und schneiderte wattierte Röcke. Ästhetische Selbstverständlichkeiten definierte sie kurzerhand um. Beispielsweise die Vorstellung, kleine Füsse seien etwas Schönes. Weil sie selber grosse hat, erklärte sie solche zum Ideal und überredete auch uns zum Kauf von Stiefeln eines argentinischen Jungdesigners, welcher für die Anfertigung eines Paares einen ganzen Büffel verwendet haben musste. Sie ist bis heute nicht konform.

Nach Freiheit widmen wir diese Nummer der Gleichheit, welche wir einfordern und doch nicht durchwegs wollen, welche uns im gesellschaftlichen Umfeld Sicherheit gibt und doch wieder stört, welche wir schrankenlos garantieren
und eingeschränkt erleben.

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Kommentare: 1


Von: Christoph Müller
Gleichheit

Es ist noch spannend. Jeder will als Jugendlicher spezieller sein als die anderen.

Beispiel
So beginnt einer eine Kappe zu tragen, weil es cool sei. Danach tragen alle eine. Somit sind alle cool oder eben gleich.

Als ich etwa 15 Jahre alt war, fanden wir es als super, mit Hemden in die Disco zu gehen. Wir waren cool, weil alle Hemden trugen. Als wir dann einmal mit dem Mofa weiter weg gingen, stellten wir fest, dass wir die einzigen waren, die mit Hemden herumliefen. Oh, war das peinlich.

Normal, was ist das? Gibt es normal?

Ich denke, jeder denkt, dass er selber normal sei, und wenn, dann die anderen nicht.

Ich hatte eine Diskussion, da sagte mir jemand, es sei ja normal, dass man nur an sich denke. Stimmt das?

Es gibt Tage, an denen läuft alles schief.
An einem Morgen auf der Zugfahrt ist mir Geld aus der Hosentasche gefallen. Als ich aussteigen wollte, machte mich ein Mann, der auf der anderen Seite sass, darauf aufmerksam.
Am Abend ist mir dann im Zug, beim stehen, sogar das ganze Portmonee auf den Boden gefallen. Ich hatte es nicht bemerkt. Ein älterer Mann wies mich darauf, und ein jüngerer lief schon auf mich zu, und wies mich auch darauf hin. Als ich zu Hause ankam hatte ich Freude darüber, dass die Leute so auf mich geschaut haben. Weiter musste ich feststellen, dass ich besser auf mein Geld achten muss :-)

Ich denke, jeder ist auf seine Art etwas egoistisch, dies ist aber auch gut und normal. Aber ebenso gut ist es, dass jeder immer wieder an die anderen denkt.

Fazit: Menschen sind wie Blumen auf einem Feld. Auf den ersten Blick sind alle gleich. Wenn man aber genauer hinsieht, stellt man fest, dass es grosse individuelle Unterschiede gibt.

Anderes Beispiel
Die Grossbanken sagen, es sei normal, dass die Mitarbeiter viel Geld verdienen, da man ja auch viele Spezialisten habe. Nur, wenn dies so stimmt, weshalb kann dies auch ein Papagei?
Der unten angehängt Artikel fand im Internet.
Papagei schlägt Börsenmakler
Beim Spiel stand jedem Teilnehmer die virtuelle Summe von 60 Mio. Won (umgerechnet 52‘000 Fr.) zur Verfügung. Während sich die Börsenmakler eine Strategie zurechtlegen konnten, entschied bei Papagei Ddalgi, zu Deutsch «Erdbeere», der Zufall. Der Papagei pickte sich von 30 erstklassigen Wertpapieren einfach ein paar heraus.

Das Tier erzielte nach dem sechswöchigen Spiel einen Gewinn von 13,7 Prozent. Nur zwei von insgesamt 10 Börsenprofis erzielten mit 64,4 und 21,4 Prozent eine bessere Rendite als das fünfjährige Papageienweibchen Ddalgi.
Im Schnitt fuhren die anderen menschlichen Wettbewerbsteilnehmer einen Verlust von 4,6 Prozent ein.
Die Börsenhändler tätigten während des sechswöchigen Spiels im Durchschnitt 190 Aktiengeschäfte. Der Papagei musste nur 7 Mal per Schnabelentscheid Aktien auswählen
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http://www.die-politik.ch/de/archiv/ausgabe-2-2010/artikel/83/
18-May-2010, 07:20 PM
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