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Artikel - Prof. Dr. Peter Gomez, Universität St. Gallen
Schweizer Dialog
Politik, Wirtschaft und Wissenschaft stellen sich der öffentlichen Diskussion.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat nicht nur grossen wirtschaftlichen Schaden angerichtet, sondern das Vertrauen einer breiten Öffentlichkeit in die Entscheidungsträger von Wirtschaft und Politik erschüttert. Nachdem die Krise einer zag- haften Erholung Platz macht, sind viele nur allzu gern bereit, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Verspieltes Vertrauen lässt sich so aber nicht wieder gewinnen. Eine öffentliche Diskussion über gemachte Fehler und mögliche gemeinsame Wege in die Zukunft ist unerlässlich.
Der Schweizer Dialog basiert auf einer «Verantwortungspyramide» mit vier Stufen:
- Anstand in Graubereichen zeigen
- Langfristig Profitabilität und wirtschaftliche Ressourcen schaffen
- Gesellschaftliche Wertschöpfung anstreben
- Schäden für die Gesellschaft weder fördern noch dulden
Folgende Persönlichkeiten sind Erstunterzeichnende des Schweizer Dialogs:
Wirtschaft
Raymond J. Bär, Ulf Berg, Thomas Buberl, Josef Felder, Philippe Gaydoul, Roman Geiser, Philip Mosimann, Urs Oberholzer, Michael Pieper, Andreas Schmid, Franziska Tschudi
Politik
Pirmin Bischof, Martine Brunschwig Graf, Ursula Gut, Kathrin Hilber, Gerhard Pfister, Rolf Schweiger
Wissenschaft
Andreas Binder, Hans Christoph Binswanger, Peter Gomez, Margit Osterloh, Miriam Meckel, Timo Meynhardt, Sybille Sachs
Eine Gruppe von Dozierenden der Universität St. Gallen hat sich zum Ziel gesetzt, eine Plattform für diese öffentliche Diskussion zu schaffen: Den Schweizer Dialog. Anstatt in beredten Worten und ethischen Codes anständiges und gerechtes Verhalten zu fordern, wollen sie Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik die Gelegenheit geben, ihre diesbezüglichen Ansichten und Überzeugungen mit Bürgerinnen und Bürgern zu teilen. Und sich gemeinsam an das annähern, was von beiden Seiten als gerecht und anständig verstanden wird.
Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft sollen ihre Handlungen unter diesen Gesichtspunkten beurteilen und so gesellschaftlichen Anliegen umfassend Rechnung tragen. Wie lässt sich dies nun aber praktisch umsetzen?
Der Schweizer Dialog vereinigt Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die in einer Erklärung sich öffentlich verpflichten, diese Grundsätze konsequent einzuhalten. Es sind dies oberste Führungskräfte der Wirtschaft, Mitglieder des Bundesparlaments und von Kantonsregierungen sowie Dozierende von Universitäten und Hochschulen. Zu jeder Stufe der Pyramide äussern sie sich zudem verbindlich zu konkreten Themen (Managergehälter, Arbeitsplatzsicherheit, Generationengerechtigkeit) und stellen sich dem Urteil von Bürgerinnen und Bürgern.
Der Schweizer Dialog hat eine eigene Website (www.schweizerdialog.ch), auf der die Aussagen der beteiligten Persönlichkeiten auf ihre Glaubwürdigkeit hin beurteilt werden können. Seit dem Start der Initiative haben sich bereits viele Interessierte eingeloggt und ihre Meinung kundgetan. Damit konnten auch erste «Glaubwürdigkeitsprofile» der Teilnehmenden erstellt werden.
Wie geht es nun weiter? Der Schweizer Dialog will keinen «Weissbucheffekt» erzielen, sondern nachhaltig den Meinungsaustausch fördern. Deshalb geht es vor allem darum, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, ihre Meinung auf der Website kundzutun. Weiter soll der Kreis der Erstunterzeichnenden erweitert werden durch Persönlichkeiten, die sich von unserer Idee angesprochen fühlen und sich der Diskussion ebenfalls stellen wollen. Hat die Initiative die notwendige Breitenwirkung erzielt, dann können wir auch legitim darlegen, was in unserem Lande als «gerecht» und «anständig» verstanden wird. Und so zu einer neuen Verständigung zwischen Gesellschaft,
Politik und Wirtschaft beitragen. 


