Ausgabe 1 / 2010


Kolumne - Marianne Binder

Verbindlich

Die Schlacht von Sempach lernten wir mit einem Lied. Der Musiklehrer liess uns hören aus alter Zeit, von kühner Ahnen Herrlichkeit, von Speerwucht und wildem Schwertkampf, von Schlachtstaub und heissem Blutdampf und liess uns singen so ein heilig Lied, es galt dem Struthan Winkelried. Unter einem Struthan hatten wir uns einen im guten Sinne Streitbaren vorzustellen, einen im Dienste unserer aller Freiheit stehenden Helden, eine Kampfsau, wenn wir denn so wollten, aber das blöde Grinsen sollten wir besser lassen.

In einer dreieckigen Schlachtformation im Stahlkleid gar grausig furchtbar kämpft bei Sempach Österreichs geübte Kriegsschar. Der Durchbruch für die Eidgenossen erscheint aussichtslos. Doch ‹Erhaltet mir Weib und Kind!› ruft da Winkelried, drückt mit Mannskraft die feindlichen Speere nieder, steckt diese gebündelt in die weite Heldenbrust, und die Österreicher schweben wie Servelats am Stecken über dem Schlachtfeld. Danach tritt das Heldenvolk im Sturmesschritt über die Leiche des Helden. Im Helmglanz erbleichte die habsburgische Mordschar und es erdröhnt von Berg und Tal der freien Nachwelt Siegeshall. Yes!

Den Singbüchern, welche meine von solcherlei Didaktik geprägte Generation für ihren eigenen Nachwuchs produziert, liegen andere Überlegungen zu Grunde. Hully Gully, Due Due Don Dup Dai, steht da in den Inhaltsverzeichnissen. Pata Pata, Sum Sum, La Polenta, Oifn Wogn Ligt a Kelbl und Tutu Nana Tgu.

Und trotzdem knallen unsere Kinder Mohrhühner ab.


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18-May-2010, 07:20 PM
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