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Artikel - Ida Glanzmann-Hunkeler
Gefangen
Ich habe ein Gefängnis besucht, ein Kloster und ein Wohnheim für Schwerkranke und habe mit den Menschen, welche ich getroffen habe, über die Bedeutung und den Wert von Freiheit gesprochen. Ich war beeindruckt. Die Worte der einzelnen Persönlichkeiten sprechen für sich, und ich danke, dass sie sie mir zu Protokoll gegeben haben.
Ein Strafgefangener
Im Gefängnis habe ich meine Freiheit gefunden. Seit ich hier meine Strafe absitze und ein geregeltes Leben führe, fühle ich mich frei. Draussen, in der so genannten Freiheit, habe ich mit Wertpapieren gehandelt und wurde ein Sklave meiner Selbst und meiner Umgebung. Meine Freunde, die ganze Gesellschaft ächteten mich, als der Handel mit den Optionen nicht mehr den erwarteten Gewinn einbrachte. Ich war gefangen in meinem Wirken und meinem Leben. Als Gefangener bleibt mir die Freiheit im Denken. Ich habe den Weg zum Glauben wieder gefunden und dies gibt mir zusätzliche Lebensfreiheit.
Eine Klosterfrau
Die Freiheit ist die in Verstand und Willen verwurzelte Fähigkeit, zu handeln oder nicht zu handeln. Weil meine Freiheit an Gott gebunden ist, macht sie mich glücklich. Die Liebe zu Gott macht frei. Aus Liebe und in Freiheit bin ich in den Orden eingetreten. Trotz gewissen Verzichten, die ja zu jedem Leben gehören, fühle ich mich nie unfrei. Die klösterliche Lebensform macht frei für den Dienst an den Mitmenschen. Die Liebe weist mir den Weg, gibt das richtige Mass an, hilft zur Selbstlosigkeit und schenkt mir die innere Freiheit, jedem Menschen mit Offenheit und Achtung zu begegnen.
Ein 40-Jähriger MS-Kranker
Ich kann nur noch meinen Kopf bewegen, kann damit den Rollstuhl steuern und am PC arbeiten. Diese Elektronik gibt mir eine gewisse Freiheit im Wohnheim. Meine möglichen Freiheiten lebe ich heute viel bewusster als früher. Nicht reale Freiheiten begleiten mich manchmal in Träumen und Phantasien. Das Zurückdenken an vergangene Freiheiten ist für mich verlorene Zeit. Freiheit bedeutet für mich den Kontakt zur Aussenwelt mit meinem Computer zu pflegen. Eine Freiheit bleibt mir, die mir viel bedeutet: ich liebe es auf meinem Körper Tatoos zu machen. 


