
Lesen sie auch:
- «Ich fürchte die Griechen...
- Moderne Geschenke und archaische Gaben
- Für mehr Bürgersinn
- Rose von Jericho
- Da häsch dänn’s Gschänk
Kolumnen:
Abo-Bestellung:
DIE POLITIK auf Facebook:
Kolumne - Gerhard Pfister
Missing Link
An der Weltausstellung in Shanghai gehört der Schweizer Pavillon zu den attraktivsten. Die Schweiz ist das erste westeuropäische Land, mit dem China Abklärungen für ein Freihandelsabkommen eingeht. Zu verdanken ist dies einer weltoffenen Haltung der Schweizer Wirtschaft und einer klugen Aussenwirtschaftspolitik von Doris Leuthard. In den Schweizer Medien fand dieses Ereignis kaum Resonanz. China interessiert hier immer noch vor allem wegen dem Dalai Lama.
Die Expo in Shanghai ist Ausdruck des enormen Selbstbewusstsein des Reichs der Mitte. Ein chinesischer Geschäftsmann sagte zu mir: «Wir waren 3000 Jahre Weltmacht, dann kamen Europa und die USA für 500 Jahre. Diese Episode der Geschichte ist vorbei. Jetzt kommen wieder 3000 Jahre für uns.» Zugegeben: gemütlich ist das nicht. Vor allem dann nicht, wenn Chinesen sich anmassen, einen westlichen Lebensstandard für möglichst viele anzustreben. Was sie tun.
Der Schweizer Pavillon ist ein schönes Symbol einer zukünftigen Schweizer Aussenpolitik: international wettb werbsfähig sein, die eigenen Stärken in Bildung, Forschung, Technologie, Innovation und liberaler Wirtschaftsordnung pflegen, unabhängig und bescheiden bleiben. Auch China sucht sich seine Partner nicht zufällig aus. Man beginnt Verhandlungen mit Nationen, zu denen man Vertrauen hat. Deshalb kommt die EU weniger in Frage als die Schweiz, selbst nachdem man einmal herausgefunden hat, mit wem man in Brüssel verhandeln soll. Der Bilateralismus der Schweiz ist nur für Diplomaten mühsam. Das ist auszuhalten. 


