Ausgabe 3 / 2012


Artikel - Aeneas Wanner , Geschäftsleiter von Energie Zukunft Schweiz

Vision einer nachhaltigen Energieversorgung

Laut der Uno wächst die Weltbevölkerung bis 2050 auf zehn Milliarden Menschen. Nahrung, Wasser und vor allem Energie werden zu knappen Gütern. Heute wird der weltweite Energiehunger hauptsächlich durch das Verbrennen fossiler Energieträger gestillt. Eine langfristige Lösung für die drohende Energie-Knappheit ist DESERTEC

Wohlstand und Energieverbrauch sind zwei Grössen, die aneinander gekoppelt sind. Mehr Wohlstand führt zu steigendem Energieverbrauch. Für Menschen, die in Industrieländern leben, ist es selbstverständlich in warmen Wohnungen zu leben und sich durch Computer, Kühlschrank oder Waschmaschine das Leben einfacher zu machen. Schweizer verbrauchen ungefähr drei Mal so viel Energie wie ihre Eltern im gleichen Alter früher. So verwundert es nicht, dass sich Entwicklungsländer an der energieintensiven Lebensweise der westlichen Welt orientieren. Die Energienachfrage steigt in diesen Regionen bereits stark und holt zum Verbrauchslevel der Industrieländer auf.

Konsens als Herausforderung

Erneuerbare Energien spielen bei der Reduktion der Auswirkungen des Klimawandels und der Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrung und Wasser eine tragende Rolle. Auch wenn Öl knapper wird, ist nicht der Energiemangel die grosse Herausforderung, sondern das Finden eines Konsenses darüber, wie die erneuerbaren Energiepotentiale erschlossen und genutzt werden sollen. In sechs Stunden empfangen die Wüsten der Erde so viel Energie, wie die Menschheit in einem Jahr verbraucht. Ein Bruchteil der Wüstenfläche reicht somit aus, um die Welt mit Strom zu versorgen. Die DESERTEC Vision will diese und weitere Potenziale nutzen und die globale Energieversorgung aus dem Kohlezeitalter hieven.   Die DESERTEC Vision ist einfach und technisch umsetzbar. Erneuerbare Energie soll dort genutzt werden, wo die Bedingungen am besten sind; Windenergie an den Küsten Europas und Nordafrikas, Sonnenenergie in Südeuropa und im Sonnengürtel. Durch ein Europa und die Mittelmeerregion umspannendes Netz von verlustarmen Stromautobahnen, den Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen (HGÜ), fliesst die Energie in die Verbrauchszentren vor Ort und ein geringer Teil nach Europa.

Marktreife erneuerbare Energietechnologien

Viele erneuerbare Energietechnologien sind marktreif und zahlbar. Photovoltaik-Module werden durch verbesserte Produktionsprozesse von Monat zu Monat günstiger, sodass auch die Produktionskosten des Stroms sinken. Windparks sind heute leistungsstärker und nur noch halb so teuer wie vor zehn Jahren. Der Strom aus den Anlagen kostet genau so viel wie konventionell produzierter, sodass auch Schweizer Energieversorger Windkraftwerke in ganz Europa erwerben.

Bandenergie von der Sonne

Solarthermische Kraftwerke in der Wüste erzeugen gleichmässig Strom und sind eine ideale Ergänzung zur Windkraft. Die Sonnenenergie wird durch Spiegel gebündelt, die hohen Temperaturen erzeugen Wasserdampf. Der Dampf treibt Turbinen an und Generatoren erzeugen Strom. Das solarthermische Kraftwerk besteht zum Grossteil aus Bauteilen, die auch in Kohlekraftwerken verwendet werden. Anstatt des Heizkessels benutzt das Solarkraftwerk jedoch die durch Spiegel gebündelte Sonne. Kraftwerksteile können somit auf dem Weltmarkt gekauft werden und machen die Anlage günstiger. Der Wüstenstrom deckt in erster Linie die lokale Nachfrage, denn Nordafrikas Energiehunger wächst schnell. Lediglich die Überschüsse sollen in die EU exportiert werden. Die Sonnenkraftwerke schaffen vor Ort Arbeitsplätze beim Bau und Betrieb und bieten neue Wohlstands- und Entwicklungsperspektiven für wirtschaftlich wenig entwickelte Regionen, ohne das Klima zu belasten.

Die Bedeutung für die schweiz

Schweizer Energieversorger investieren bereits in erneuerbare Energiekraftwerke in ganz Europa. So hat die EBL mit der IWB, ewz, EKZ und der ewb ein solarthermisches Kraftwerk im Bau, das ab April rund 11'000 Haushalte mit Sonnenstrom beliefern wird. Zunächst in Spanien, langfristig will man den Strom auch in die Schweiz importieren. Kritische Stimmen wenden gegen solche Auslandsinvestitionen ein, dass sie den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz bremsen würden. Die DESERTEC Vision will jedoch sowohl lokale Potenziale, als auch grosse Lösungen nutzen. So zum Beispiel alle geeigneten Dächer in der Schweiz mit Photovoltaik- Modulen auszustatten und zugleich solarthermische Kraftwerke in Marokko zu fördern. Denn allein mit lokalem Engagement in der Schweiz dämmt man weder den Klimawandel ein, noch versorgt man im Jahre 2050 rund zehn Milliarden Menschen nachhaltig mit Energie.

Aeneas Wanner ist DESERTEC-Koordinator und seit 2006 Geschäftsleiter von Energie Zukunft Schweiz (EZS). Er war zuvor massgeblich an der Gründung der Klimaschutzorganisation myclimate beteiligt. Wanner doziert an der Fachhochschule Nordwestschweiz zum Thema erneuerbare Energien.


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30-Oct-2009, 10:44 AM
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