
Marianne Binder, Chefredaktorin
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Editorial - Marianne Binder, Chefredaktorin
Schön ist, was gefällt
…und so entziehen sich ästhetische Kriterien sowohl der «Objektivität» als auch der «Kontrolle». Ich denke da an Missgriffe im privaten und öffentlichen Raum: triste Autobahnraststätten, global normierte Billigläden, Wohnquartiere wie Baumusterzentralen, überbreite Landstrassen durch alte Bauerndörfer, und eine Neuerscheinung der letzten Jahre: die Kreiselkunst.
Weil man nicht vorschreiben kann, was gefallen soll, lässt man es bleiben und bestimmt bei Bauvorgaben verschiedene Normen, nur nicht ästhetische: Länge, Breite, Höhe, Dachwinkel und Abstand zum Nachbarhaus. Man mag das bedauern, wenn man sich einbildet, man wisse, was schön sei und hässlich, doch es ist wohl auch besser so. Was staatlich verordnete Kriterien für gute Architektur anrichten können, beweisen gewisse Hinterlassenschaften der DDR. Und der Gedanke an das Dritte Reich und seinen Überfall auf die Kunst lässt einen immer noch schaudern.
Vor Jahren publizierte die Sonntagszeitung einmal eine hämische Reportage über die Villen der Schweizer Superreichen, und tröstlich war, dass man Geschmack nicht auch noch kaufen kann. Zumindest hier herrscht doch Gerechtigkeit.
In diesem demokratischen Sinne wenden wir uns dem Thema der Ästhetik zu. Wie jedes Mal haben wir auch über das Titelblatt abgestimmt, und siehe da: Auf jeden Vorschlag entfielen gleich viel Stimmen. Ich traf dann meine Wahl am Schluss, was wie gesagt nicht heisst, dass sie auch richtig war. Was denken Sie? 


