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Artikel - Stefan Meierhans, Preisüberwacher
Da häsch dänn’s Gschänk
«Da häsch dänn’s Gschänk» – mit diesen Worten werden Situationen kommentiert, die ein mitleidiges Lächeln oder gar ein ungutes Gefühl hervorrufen. Die Bemerkung ist ironisch gemeint, denn das Geschenk entpuppt sich als Last, als unwillkommene Zugabe. Wer heute den freien Handel nutzt und zum Beispiel via Internet Waren bestellt, der sieht sich bisweilen mit solchen Geschenken konfrontiert.
Wenn die im Internet bestellte Ware aus dem Ausland kommt, fallen in der Regel zusätzliche Abgaben an. Diese können sogar den Warenwert übersteigen. Einem Bürger ist das kürzlich mit einem Zeitungshalter passiert: Der Warenwert lag umgerechnet etwas unter vierzig Franken – die Verzollungskosten bei über fünfzig Franken. Mit einer Preisbeschwerde hat er sich an mich gewandt. Wie gut ich seinen Ärger verstehen konnte. Man wird bestraft, wenn man auf dem Markt versucht, das beste Angebot zu finden. Immerhin – das sei nur am Rande bemerkt – konnte ich als Preisüberwacher in den letzten Monaten mit der Post und mit dem Logistikunternehmen DHL Verträge aushandeln, die diesen Gebührenwucher eindämmen: Gebührensenkungen um bis zu hundert Prozent konnten wir vereinbaren. Und so dazu beitragen, dass sich in Zukunft weniger Leute über ein «vergiftetes Geschenk» bei Internet-Bestellungen ärgern müssen.
Ist ein Geschenk ein Geschenk?
Eine weitere Kategorie sind jene Artikel, die sozusagen als Geschenk kostümiert an die Frau und an den Mann gebracht werden. Meine Erfahrung: Je lauter etwas als Geschenk angepriesen wird, desto mehr gilt es, auf der Hut sein. Beispiele gibt es viele: Beim Kauf einer Heizdecke erhalten Sie als Geschenk Tonfiguren gratis dazu. Oder: Beim Kauf von drei Packungen Zahnpasta erhalten sie die vierte geschenkt. Oder: Diese Zeitung erhalten Sie gratis – sie ist ein Geschenk. Sollen wir das glauben? Sollen Sie sich glücklich schätzen, weil Sie ein Geschenk erhalten? Die Wahrheit ist: Nein, denn Sie erhalten gar kein Geschenk. Man hat Ihnen einen Bären aufgebunden, Sie an der Nase herumgeführt.
Es gibt nichts gratis
In der Wirtschaftswelt werden nicht einfach so mir nichts, dir nichts Geschenke verteilt! Entweder haben Sie für das Geschenk bereits bezahlt – und Sie erhalten einfach den Rabatt, der Ihnen zusteht (zum Beispiel, wenn die vierte Packung gratis ist). Oder Sie bezahlen nicht mit Franken und Rappen – sondern beispielsweise mit Ihrer Aufmerksamkeit. Denken Sie an die Gratiszeitungen oder die privaten TV-Stationen aus dem In- und Ausland. Diese sind in der Regel hauptsächlich durch Werbung finanziert. Sie bezahlen, indem Sie sich der entsprechenden Werbung aussetzen, zum willkommenen Objekt für verschiedenste Marketinganstrengungen werden. Verstehen Sie mich nicht falsch: Dagegen ist nicht grundsätzlich etwas einzuwenden. Schliesslich entscheiden Sie nach wie vor selbst, ob Sie der Werbung glauben und weiteres Geld in dieses oder jenes Produkt investieren möchten. Wichtig ist jedoch, dass wir diese Mechanismen durchschauen. Denn sie sind allgegenwartig. Zum Beispiel auch bei den Cumuluspunkten, Supercards, Pfannen-Trophäen, Meilenkonten, und bei den Nanos und Abziehbildli diverser Detailhandler.
Was wünsche ich mir?
Weil es auf Weihnachten zugeht, schliesse ich mit einem Wunsch. Natürlich knüpft er an meine vorherigen Ausfuhrungen an. Ich wünsche mir mehr intellektuelle Redlichkeit, auch in der Werbung. Liebe Verkäufer: Binden Sie ihre Marketingabteilungen massiv zurück. Nutzen Sie nur Kundenbindungsprogramme, die Ihnen wirklich treuere Kundschaft bringen und damit die Durchschnittskosten senken. Übrigens bin ich persönlich der Meinung, dass Qualität und Service die besten Kundenbindungsprogramme sind. Mit dem übriggebliebenen Geld konnen Sie direkt die (Listen-)Preise senken. Und wir werden von der Mühsal entlastet, ein Übermass an Kundenkartli, Rabatt-Coupons, Aktionsdaten zu verwalten.
Ein Win-Win-Szenario!
Ich nehme im Übrigen die Politik von meinem Wunsch nicht aus. Was hört man nicht alles für Versprechungen, gerade vor Wahlen. Vielleicht sind die Resultate im vergangenen Herbst ein Zeichen dafür, dass die Menschen in unserem Land die Polarisierung satt haben: Maximalversprechungen von links und von rechts, die sich allesamt als "falsche Geschenke" herausgestellt haben. Kann es sein, dass sich die Leute beim Studium der Wahlunterlagen gedacht haben: Wenn wir Maximalversprecher und Geschenke-Versprecher wählen; "Da häsch dänn's Gschänk"? 


