Marianne Binder, Chefredaktorin

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Editorial - Marianne Binder, Chefredaktorin

«Ich fürchte die Griechen...

...auch wenn sie Geschenke bringen», warnte Laokoon seine trojanischen Mitbürger. Nach zehn Jahren Krieg um Troja zogen die griechischen Belagerer ab und stellten als Abschiedsgabe ein hölzernes Pferd vor die Tore der tadt. In seinem Rumpf versteckt bewaffnete Kämpfer. Laokoon ahnte den Betrug, doch sein Misstrauen wurde dem Priester zum Verhängnis. Es erschienen Schlangen aus dem Meer und erwürgten ihn samt seinen Söhnen.
Die Trojaner werteten die Schreckensszene als Anweisung der Götter, die Feindschaft gegenüber den Griechen zu beenden. Sie zogen das fatale Geschenk in die Stadt, und Troja ging unter.

Unterdessen birgt auch die europäische Festung ihr Danaergeschenk. Griechenland steht vor dem Ruin und stürzt die ganze EU in eine Schuldenkrise. Pikant: Noch mehr Furcht als vor den Griechen hat man in der EU nur noch vor Volksabstimmungen. Ausgerechnet in der Wiege der Demokratie. Damit will ich die Verdienste der Europäischen Union nicht schmälern, beispielsweise die grosse Friedensleistung unter ehemals verfeindeten Völkern, doch im Umgang mit Demokratie und Volkswillen könnte sie von der Schweiz einiges lernen. Unsere Prozesse mögen zwar langsam sein, doch sie sind nachhaltig, und der Respekt vor den Bürgerinnen und Bürgern definiert die Arbeit von Regierung und Parlament. Die Analyse der Abstimmungen zeigt: auch mit Recht. Wenn man bedenkt, dass über 80 Prozent aller Volksentscheide im Sinne einer pragmatischen lösungsorientierten Mittepolitik gefällt werden, kann man wohl kaum über die Empfänglichkeit des Souveräns für Populisten jammern.

Wir haben eben ein Volksverdikt hinter uns und es wurden Geschenke gemacht, leider nicht uns, sondern vor allem zwei neuen Parteien. Das ist zwar schmerzlich für das – ausschliesslich – nicht prämierte bisherige politische Establishment, doch auch ein Fingerzeig. Man muss parteiintern über die Bücher. Verpackung, Inhalt und Wert zur Diskussion stellen. Die Ausrichtung, die Perspektiven bestimmen. In der CVP ist eine ausführliche Auswertung Ende Januar zu erwarten.

Mit unserem Magazin, das wir Geschenken widmen, verbinden wir die Hoffnung, sie mögen auch gehaltvoll sein. Wir wünschen Ihnen von Herzen schöne Weihnachten, bedanken uns einmal mehr dafür, dass wir Sie zu unseren Leserinnen und Lesern zählen dürfen und liefern einen kleinen Tipp zu Weihnachten: Man kann DIE POLITIK auch verschenken (E-Mail an abo@die-politik.ch).


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30-Oct-2009, 10:44 AM
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