Ausgabe 8 / 2011


Artikel - Ruth Humbel, Nationalrätin und Muriel Haunreiter

Die Schweiz ist Integrationsweltmeister

Seit dem Ende des 2. Weltkrieges hat die Schweiz eine enorme Integrationsleistung vollzogen. Fast zwei Millionen Menschen sind in die Schweiz eingewandert oder leben hier als Nachkommen von zugewanderten Personen. Mit einem Ausländeranteil von 21,7% am Ende des Jahres 2009 weisen wir einen der höchsten Ausländeranteile Europas auf.

Verglichen mit den Quoten unserer Nachbarländer Deutschland 8,8% (Zahlen von Eurostat, 31.12.2007), Frankreich 5,7%, Italien 5,8% und Österreich 10,3% scheint unsere umso grösser. Trotz hohem Ausländeranteil hat unser Land eine der tiefsten arbeitslosenquoten. Sie lag Ende Mai bei 3,8%. Einzig Österreich (4.9%) (Saisonbereinigte Zahlen von Eurostat, Ende April 2010) und die Niederlande (4.1%) erreichen ein ähnliches Niveau, düsterer sieht es in Deutschland (7.1%), Frankreich (10.1%) oder Spanien (19.7%) aus. Obwohl die Arbeitslosenquote unter Ausländerinnen und Ausländern über derjenigen der Schweizerinnen und Schweizern liegt, leisten Erstere doch einen substanziellen Beitrag an das wirtschaftliche Wachstum und den Wohlstand. Rund jede vierte Arbeitsstunde wird von einer Person nicht schweizerischer Nationalität geleistet. Auch in Zukunft wird die Schweizer Wirtschaft sowohl auf hochwie auch auf niedrigqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sein.

Eine Topleistung vollbringt das Land im Bereich der Bildung. Während viele Schulsysteme es nicht schaffen, die Unterschiede in den Leistungen von Einheimischen und Kindern der ersten und zweiten Zuwanderergeneration auszugleichen, gelingt es der Schweiz neben Kanada, England und Schweden, den Abstand zwischen Einheimischen und Zuwanderern in der zweiten Generation beträchtlich zu verringern (terra incognita 16/2010).

Von einer eigentlichen Ghettobildung kann in der Schweiz nicht gesprochen werden, obwohl immer wieder auf Bümpliz BE, Emmen LU und Schlieren ZH hingewiesen wird. Von den Banlieues in Frankreich sind wir weit entfernt.

Dennoch haben wir in der Ausländerpolitik Probleme, die unsere Bevölkerung beschäftigen. Eines dieser Probleme ist die Ausländerkriminalität. Sie ist verantwortlich für Spannungen zwischen der schweizerischen und  er ausländischen Wohnbevölkerung. Der Handlungsbedarf ist unbestritten, insbesondere auch im Interesse der grossen Mehrheit der ausländischen Bevölkerung, welche zu keinen Beanstandungen Anlass gibt.

Probleme bestehen auch im Asylbereich. Nach wie vor kommen zu viele Personen mit asylfremden Motiven in die Schweiz und das Asylverfahren dauert in erster und zweiter Instanz zu lange. Die Wegweisung von abgewiesenen Asylbewerbern oder illegal Anwesenden ist mangelhaft. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wegweisungen nicht in allen Kantonen gleich konsequent vollzogen werden.

Ungelöst sind die Fragen rund um die Sans-Papiers. Heute leben schätzungsweise 90 000 Sans-Papiers in der Schweiz. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Bezüglich Integration gibt es folglich noch einiges zu tun. Der im Gegenvorschlag zur Ausschaffungsinitiative eingefügte Artikel zur Integration kann den Weg ebnen, damit Integration noch verstärkt als das angesehen wird, was sie sein sollte: ein gegenseitiger Prozess. Ziel ist die Chancengleichheit. Die Integration soll durch Regelstrukturen, Spracherwerb und Information gefördert werden.

Fazit: Gemäss internationalen Auswertungen sind die Ausländerinnen und Ausländer sowohl im Arbeitsmarkt wie auch im Bildungswesen gut integriert. Auch aus der geographischen Verteilung der ausländischen Bevölkerung lässt sich eine gute Integration in der Schweiz herauslesen. Die Integrationsleistung der Schweizerischen Gesellschaft und Wirtschaft kann als äusserst erfolgreich bewertet werden.


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30-Oct-2009, 10:44 AM
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