Ausgabe 8 / 2011


Artikel - Priska Spörri, Leiterin Kommunikation Glückskette

Die humanitäre Schweiz - ein weltweiter Erfolg

12. Januar 2010: verheerendes Erdbeben auf Haiti. Die Bilder, die uns in den folgenden Tagen erreichen, sind an Dramatik kaum zu überbieten. Die Opferzahlen steigen täglich um Tausende. Zwei Millionen Menschen sind innerhalb von wenigen Minuten obdachlos geworden. 

Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Katastrophe fliessen bei der Glückskette Gelder auf das sofort eingerichtete Konto. Die Schweiz ist bekannt als grosszügige Spendernation. Für viele Menschen ist Geld spenden ein Ventil, eine Möglichkeit etwas zu tun, wenn die erschütternde Bilderflut über sie hereinbricht. Bis heute sind bei der Glückskette rund 65 Millionen Franken Spendengelder für die Betroffenen auf Haiti zusammengekommen. Die Schweiz liegt damit – wie bei der Sammlung für die Opfer des Tsunami 2004 – weltweit wieder an der Spitze mit ihrer durchschnittlichen Pro-Kopf-Spende. Diese grosse Solidarität ist aus der «kleinen» Schweiz nicht mehr wegzudenken. Die Schweiz ist bekannt als grosszügige Spendernation. Sie hat eine lange humanitäre Tradition und kann stolz darauf sein.

Humanitäre Hilfe – ein Exportartikel

Die Bevölkerung in der Schweiz spendet aber nicht nur Geld, sondern beherbergt auch viele humanitäre Organisationen. Sie retten Menschenleben und lindern Leid, welches durch bewaffnete Konf ikte, innerstaatliche Wirren oder Naturkatastrophen entsteht. Diese Hilfswerke agieren in der Schweiz und im Ausland individuell oder im Rahmen internationaler Operationen. In der zivilen Not- und Überlebenshilfe geniesst unser Land durch seine Erfahrung und sein herausragendes Engagement international hohes Ansehen. Das Rote Kreuz, in der Schweiz vor fast 150 Jahren gegründet, hat das humanitäre Gedankengut in die ganze Welt hinausgetragen und mit den nationalen Gesellschaften in allen Ländern institutionalisiert. Neben den Uhren und der Schokolade scheint die humanitäre Hilfe ein urschweizerischer «Exportartikel». Auch die Glückskette als Mediensammelplattform ist weltweit einmalig: Sie ruft durch die Medien zur Solidarität auf und nimmt Spenden entgegen. Ihre 31 Schweizer Partnerhilfswerke setzen die Unterstützung konkret um.

Hilfe trotz Wirtschaftskrise

Die humanitäre Hilfe konnte aus unterschiedlichen Gründen weiter ausgebaut werden:

  • der immer höhere Lebensstandard in der Schweiz,
  • die Sensibilität fü  Menschenrechte, die neuen Technologien, die es möglich machen, rasch und effizient Katastrophenopfer auf der ganzen Welt zu erreichen
  • und die Vielfalt der Medien, die auch aus den entlegensten Winkeln berichten können.

Selbst eine Wirtschaftskrise kann diese Hilfe nicht bremsen. Im Gegenteil: In schlechten Zeiten nimmt die Solidarität sogar noch zu. Privatpersonen spendeten auch 2008 rund 20 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Es scheint, als ob man noch besser mit den Betroffenen mitfühlen kann, wenn es einem selber etwas schlechter geht.

Mitgefühl und Grosszügigkeit

Am Sammeltag der Glückskette spendet eine Frau 500 Franken am Telefon und erzählt mir weshalb. Sie habe eben in der Tagesschau gesehen, wie eine Mutter mit ihrem toten Kind auf den Armen durch die Trümmer geirrt sei. «Da musste ich weinen: Ich weiss was es heisst, ein Kind zu verlieren. Vor zwei Wochen musste ich meinen Sohn, der bei einem Unfall ums Leben kam, beerdigen. Das ist das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann.» Diese Gesc ichte zeigt das schönste Gesicht der Schweiz: die Empathie mit den Betroffenen und die Grosszügigkeit gegenüber Menschen, welchen es schlechter geht. Die humanitäre Tradition ist tief in der Bevölkerung der Schweiz verwurzelt.  


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30-Oct-2009, 10:44 AM
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