Ausgabe 7 / 2010


Artikel - Hanspeter Thür , Eidgenössischer Datenschutzbeauftragter

Das Innere nach Aussen

Ob Kundenkarten, Suchmaschinen, Videoüberwachung oder Google Street View – kaum ein Ort, kaum ein Moment, an dem wir keine Datenspuren hinterlassen. Spuren, die in ihrer Summe Aufschluss über unsere Persönlichkeit, unsere Interessen, unsere Wohnsituation oder familiären Verhältnisse geben. Wollen wir wirklich alles Innere nach Aussen kehren und die Privatsphäre nach und nach aufgeben? Und falls nicht, was können die Bürger, was kann die Politik zum Schutz derselben tun?

Freundschaften pflegen, Banktransaktionen tätigen, Reisen buchen oder über ein spannendes Thema diskutieren – für diese und unzählige weitere Tätigkeiten stehen im Web allerlei Dienstleistungen zur Verfügung, und das häufig kostenlos. Dennoch bezahlen die Nutzer, und zwar in Form von Personendaten. Sie hinterlassen Namen, Adressen und Fotos und geben Auskunft über ihre Interessen, ihre politische Haltung und vieles mehr. Ausserdem erfahren die Anbieter und ihre Partner unseren Standort sowie Zeitpunkt und Dauer unseres Besuchs oder welche Sei e wir zuvor angesurft haben. Sie sehen auch für welche Inhalte wir uns interessieren. Internetgiganten wie Google, Facebook oder Yahoo sammeln all diese Informationen, werten sie aus und stellen sie ihren Werbepartnern gegen teures Geld zur Verfügung. Mit dem ganzen Wissen können sie die Nutzer gezielt mit auf sie zugeschnittenen Produkten und Dienstleistungen bewerben.

Der gläserne User

Aufgrund der rasanten technischen Entwicklung können Daten immer effizienter ausgewertet und zu äusserst aussagekräftigen Profilen verdichtet werden. Auch die Verknüpfung von Informationen wird immer einfacher: Bald schon kann im Internet anhand von Fotos nach Personen gesucht werden, wobei eine Software Gesichter abgleicht und bei erfolgreicher Suche mit den entsprechenden Daten verknüpft. Gefallen an dieser Informationsdichte finden nicht nur Marketing- und Werbeabteilungen, sondern auch Geheimdienste oder Personen mit krimineller Energie. So existieren in der Unterwelt des Netzes regelrechte Datenbörsen, auf denen Kreditka ten, Passwörter oder Bot-Netze (mit Schadprogrammen infizierte Computer) an den Mann gebracht werden. Je mehr wir von uns preisgeben, umso grösser sind auch die potentiellen Gefahren, umso transparenter werden wir.

Abhilfe gegen diese Entwicklung kann zum einen der Nutzer selber leisten: indem er mit Pseudonymen surft, die Datenschutzbestimmungen der AGB liest und seine Daten vor den Zugriffen Fremder schützt. Gefordert ist nicht zuletzt aber auch die Politik: etwa, indem sie Anbieter von Internet-Dienstleistungen per Gesetz dazu verpflichtet, einen grösstmöglichen Schutz der Privatsphäre zu garantieren. Bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder MySpace ist zurzeit genau das Gegenteil der Fall: Um möglichst viele Werbeeinnahmen zu generieren, zielen ihre Grundeinstellungen auf eine möglichst weitgehende Offenlegung von Personendaten ab. Nationalstaatliche Regelungen alleine werden allerdings nicht genügen, um die Daten der Bürger besser zu schützen. Dazu braucht es auch Lösungsansätze auf internationaler Eben.


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30-Oct-2009, 10:44 AM
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